Mark Twain wusste es schon lange vor Corona: „Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“ Niemand weiß, wie die Welt nach Corona aussehen wird. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass Krisen immer auch Chancen sind. Auch nach dem 11. September stand die Welt für eine Weile „on hold“, und die Wirtschaft musste sich neu sortieren. Beherzte Aktionen wie die Kampagne von General Motors „Keep America Rolling“ waren umstritten, halfen jedoch dabei, die Wirtschaft wieder ins Rollen zu bringen. 2001 war auch das endgültige Aus der Dotcom-Blase. Daraus entstand das Web 2.0 mit vielen digitalen Errungenschaften, die uns heute dabei unterstützen, diese viel größere Krise zu bewältigen.

Das Unmögliche wird machbar

Eine gut ausgebaute IT-Infrastruktur, mobile Geräte, digitale Kanäle, Plattformen und Messengerdienste machen es uns zumindest in den Städten einfach, mobil zu arbeiten. Homeoffice, Video-Konferenzen, virtuelle Messen und Klassenzimmer – plötzlich ist Digitalisierung möglich, wo vorher die Skepsis regierte. Teams organisieren sich eigenverantwortlich auf Kooperationsplattformen wie Trello und Asana, kommunizieren per Slack, Microsoft Teams oder Zoom. Arbeitsformen, die bisher nur in Start-ups praktiziert wurden, halten Einzug in die Unternehmen. Das unfreiwillige Experiment macht mutig, weil es schlicht keine Alternative gibt. Aber auch, weil wir täglich die positiven Auswirkungen der Digitalisierung erleben.

Digital ist das neue social

Seit dem Kontaktverbot ist digital das neue social. Museen öffnen ihre Pforten für virtuelle Rundgänge. Für Künstler sind digitale Kanäle oft die einzige Möglichkeit, mit ihren Fans in Kontakt zu treten und um Unterstützung zu werben. Social Media, bis vor wenigen Wochen noch vornehmlich Bühne für Influencer, dienen jetzt den Menschen dazu, sich auszutauschen und zu vernetzen. Ob für Aktionen zur Nachbarschaftshilfe, Unterstützung der Landwirte bei der Ernte oder um sich zum gemeinsamen Singen und Musizieren auf Balkonen zu verabreden.

„Wir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegenüber dem Leben anpassen – im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.“
(Slavoj Žižek, März 2020)

New Work als gelebte Arbeitsform

Überwältigende Solidarität und Kooperationsbereitschaft ist eine positive Auswirkung der Krise, die überall sichtbar ist. Der Zukunftsforscher Matthias Horx spricht von einer neuen Nähe, in der wir bestehende Bindungen festigen, neue knüpfen und eben wieder mehr Mensch sind. Neues, solidarisches Denken und Handeln findet auch in den Unternehmen statt. Mitarbeiter ziehen mit großem Engagement an einem Strang, um am Überleben der Firma mitzuwirken. Sie organisieren sich und leisten eigenverantwortlich ihren Beitrag. Der Einsatz für ein gemeinsames Ziel lässt die Bedeutung jedes Einzelnen wachsen. Plötzlich werden die Werte von New Work ganz selbstverständlich gelebt, ohne Transformations-Workshops und lange Implementierungsphasen.

Neue Impulse für Agilität

Die Organisation in agilen Teams kann auch vom Unternehmen ausgehen. McKinsey empfiehlt die Organisation in agilen Nervenzentren, cross-funktionalen Teams, die sich um ein bestimmtes Schwerpunktthema kümmern wie Kundenbetreuung, Lieferketten, Belegschaft, Finanzen – Organisationsformen, die auch nach der Krise weitergeführt werden können. Nach der Phase der Eigenständigkeit und Selbstorganisation lässt sich das Rad nicht mehr zu alten Hierarchie-Formen zurückdrehen. Unternehmen tun dann gut daran, die Arbeit um die Menschen herum zu organisieren, nicht umgekehrt. Die Krise ist also ein Beschleuniger für die Neuorganisation unserer Arbeitswelt und der Digitalisierung.

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Mehr Sinnhaftigkeit

Die Krise wird auch Kommunikation und Marketing verändern. Mehr denn je zählt der Purpose eines Unternehmens, der gesellschaftliche Sinn und Zweck. Relevante Stories handeln davon, wie Unternehmen die Gemeinschaft und jeden einzelnen unterstützen können. Viele Unternehmen haben das bereits verstanden: Lufthansa mit absoluter Kulanz bei der Stornierung oder Umbuchung von Tickets. Ikea zeigt mit der frühzeitigen Schließung der Filialen Verantwortung, ist aber weiterhin online für die Kunden da. Edeka garantiert nicht nur die Versorgung in Zeiten der Krise, sondern richtet auch ein wertschätzendes „Danke“ an Mitarbeiter, Zulieferer und Helfer hinter den Kulissen.

Digitale Neubesinnung im B2B

Auch im B2B sind Maßnahmen gefragt, mit Partnern und Kunden ein wertschätzendes, enges Verhältnis zu pflegen, um zu informieren und Transparenz zu schaffen. An digitalen Kanälen führt in Zukunft kein Weg vorbei. Bereits vor der Krise wurden auch im B2B 67 % der Buyer Journeys online abgewickelt. Unternehmen, die weiterhin erfolgreich sein wollen, setzen auf eine nahtlose Customer Journey, um Kunden und Partner an allen Kontaktpunkten mit den richtigen Themen und relevanten Informationen zu versorgen. Das erfordert intern eine enge Vernetzung im Unternehmen, insbesondere zwischen Marketing und Vertrieb, die wie ein Team arbeiten sollten, um auf allen Kanälen ein konsistentes Bild zu vermitteln. Ein gemeinsam gepflegtes CRM, in dem alle Aktivitäten der Customer Journey erfasst werden, kann helfen, Probleme möglichst schnell zu erkennen und zu beheben. Unstimmigkeiten bei Konditionen oder Lieferungen führen schnell zu Irritationen und Vertrauensverlust.

Partnerschaften auf dem Prüfstand

Auch Partnerschaften stehen auf dem Prüfstand, da die Krise die Verwundbarkeit der Lieferketten aufgedeckt hat. Unternehmen müssen unter Umständen erneut auf Partnersuche gehen oder ganz umdenken. Wer hätte vor wenigen Wochen gedacht, dass Autobauer auf die Herstellung von Medizintechnik und Hygieneprodukten umschwenken würden? Messen werden in Zeiten von Corona mehr und mehr zu digitalen Plattformen.

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Das Wort "Krise" setzt sich im Chinesischen aus zwei Zeichen zusammen: „Gefahr“ und „Gelegenheit“. Das symbolisiert die Fähigkeit der Chinesen, in Zeiten der Unsicherheit und des Wandels schnell zu handeln. Diese Fähigkeit haben auch die Veranstalter der weltweit größten Touristikmesse ITB gezeigt und innerhalb von wenigen Tagen einen virtuellen Kongress erfolgreich auf die Beine gestellt. Ausschnitte aus dem Programm wurden in Echtzeit oder zeitversetzt gestreamt, als Webinar durchgeführt und standen danach als Videos-on-demand zur Verfügung. Bereits zwei Minuten nach Absage der Messe war ein Facebook-Post online, in direkter Folge wurden Nachrichten auf Twitter, LinkedIn, XING und Instagram platziert und erzielten hohe Reichweiten und Interaktionsquoten.

Mehr Nähe zum Menschen

Das heißt nicht, vor lauter Technisierung die Menschen aus den Augen verlieren. Im Gegenteil. Die User Experience, das individuelle Nutzererlebnis, das Menschen bei einer digitalen Anwendung haben, wird immer entscheidender. Was nützt eine sorgsam geplante virtuelle Fachmesse, wenn die Teilnehmer schon an der Online-Registrierung scheitern? Oder ein aufwendig bebilderter Live-Vortrag, wenn der Videostream ruckelt? Wenn digitale Anwendungen nicht angenehm und leicht zu bedienen sind, verschwinden die Nutzer ganz schnell von der Bildfläche und mit ihnen wertvolle Kunden. Jetzt ist die Möglichkeit, Neues auszuprobieren, aus Fehlern zu lernen und die Zukunft positiv zu gestalten.

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