Stellen sie sich vor, zwei Parteien schließen einen Kaufvertrag über einen PKW ab. Sie vereinbaren eine monatliche Ratenzahlung. Bereits im zweiten Monat kann der Käufer die Rate nicht bezahlen. Als er in das Auto einsteigen möchte, lässt sich die Tür nicht mehr öffnen. Ein sogenannter „Smart Contract“- ein digitaler Vertrag unterbindet die Nutzung des Autos. Dieser digitale Vertrag enthält nicht nur die Vertragsbedingungen, er überwacht und exekutiert diese auch. Dieses Szenario ist längst keine Zukunftsvision mehr. Die dahinter steckende Technologie besteht seit 2009. Man nennt sie Blockchain.

Eine Währung der Nutzer

Bekannt wurde Blockchain als Technologie hinter der Kryptowährung „Bitcoin“. Bitcoin ist eine digitale Währung, die weder durch eine Bank noch durch eine andere zentrale Autorität verwaltet wird. Sie wird alleine durch ihre Nutzer betrieben. Die Blockchain agiert dabei als Software der Bitcoins. Man kann sie sich als einen digitalen Kontoauszug vorstellen, welcher alle jemals vorgenommenen Transaktionen in chronologischer Reihenfolge dokumentiert und speichert. Dieser Kontoauszug ist für alle Nutzer öffentlich zugänglich. So können Transaktionen jederzeit eingesehen und getätigt werden. Dabei sorgt ein öffentlicher Schlüssel für die Identifikation des Nutzers, während ein privater Schlüssel zur Ausweisung von Berechtigungen dient. Letzterer bleibt geheim und der Nutzer anonym. Den privaten Schlüssel nennt man Seed. Er ist wie eine Unterschrift unter der Transaktion. Wird eine Transaktion ausgeführt, wird sie im Netzwerk geteilt. Sogenannte Miner prüfen diese dann mit Hilfe von mathematischen Verfahren. Miner sind Personengruppen, die über genügend Netzwerk-Rechenleistung verfügen, um diese mathematischen Berechnungen durchführen zu können. Bei erfolgreicher Prüfung wird die Transaktion in einem Block gelistet, welcher dann an die Blockchain gehängt wird. Der Prüfungsprozess nimmt nur wenige Minuten in Anspruch. Bei erfolgreicher Prüfung erhalten die Miner eine Belohnung.

Versucht nun eine Person eine Transaktion zu manipulieren, passt der betroffene Block nicht mehr an die Kette und die Blockchain wird ungültig. Jede Transaktion wird im Netzwerk veröffentlicht und auf ihre Richtigkeit überprüft. Sobald ein Miner feststellt, dass eine Transaktion manipuliert wurde, wird diese abgelehnt. Dieses Verfahren nennt man auch Proof-of-Work. Betrug ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. So sind Manipulationen der Blockchain nur möglich, wenn eine Gruppe von Minern über mehr als 50% der gesamten Rechenleistung des Netzwerks verfügt. Somit könnte Geldtransfer in Zukunft sicher und schnell abgewickelt werden. Banken fallen aus diesem Modell komplett heraus, da Transaktionen direkt vom Senderkonto zum Empfängerkonto fließen. Miner übernehmen dabei die Rolle der Prüfungsinstanz. Transaktionskosten fallen im Rahmen der Entlohnung der Miner an und entsprechen nur einem Bruchteil der Transaktionskosten, die üblicherweise durch Bankinstitute erhoben werden.

Vom Handschlag zum digitalen Vertrag

Das Leistungspotenzial der Blockchain geht allerdings weit über all das hinaus. So ist die Währung nur eine von vielen möglichen Anwendungen. Die Blockchain ist für die Bitcoins, was das Internet für die E-Mail ist. So lassen sich auch viele verschiedene Vertragsmodelle über die Technologie abwickeln: Die sogenannten Smart Contracts. Die digitalen Verträge beruhen auf einer simplen Wenn-Dann-Funktion. Werden bestimmte Bedingungen erfüllt, wird eine Aktion automatisch ausgeführt. Auch andere Online-Anbieter haben sich dieses Prinzip bereits zu Nutzen gemacht. So kann man bei der Mobile-App IFTTT (if this then that) bereits Webanwendungen wie Facebook und Twitter mit einer Aktion verknüpfen, die bei Eintreten eines bestimmten Ereignisses automatisch ausgeführt wird. So könnte man, ähnlich wie beim Autokauf einen Smart Contract über ein Miethaus abschließen. Das Smartphone tritt dabei in die Rolle des digitalen Hausschlüssels. Sobald die Mietzahlung ausfällt, verweigert der „Smart Contract den Zutritt. In solchen Fällen können Rechtsbeistandskosten umgangen werden, da der digitale Vertrag das Vertragsverhältnis regelt und ausführt.

Allerdings lassen sich auch alltägliche Situationen anderer Natur regeln. Nehmen wir an, zwei Arbeitskollegen haben eine Wette über ein bestimmtes Sportereignis abgeschlossen. Beide Parteien zahlen ihren Wetteinsatz auf ein Konto ein, welches durch einen Smart Contract verwaltet wird. Ist das Sportereignis beendet, sucht der Smart Contract im Internet nach dem Ergebnis. Bei Kenntnis wird der gesamte Wetteinsatz automatisch an das Konto des Gewinners überwiesen.

Auch im Bereich des Online-Shoppings könnten die Smart Contracts Anwendung finden. Somit könnte man regeln, dass ein Smart Contract einen Rechnungsbetrag erst bei Versand der Ware auf das Konto des Verkäufers überweist. Dazu überprüft der digitale Vertrag Informationen bezüglich des Status der zu liefernden Ware auf der Webseite des zuständigen Versandunternehmens.

Nach diesem Prinzip könnte man auch die Verteilung eines Erbes regeln. Dabei wird das Testament in Form eines Smart Contracts erstellt. Stirbt der Erblasser, wird das Erbe automatisch an die Erben überwiesen.

Des Weiteren könnten auch Wahlen und Auktionen mit Hilfe von Smart Contracts durchgeführt und verwaltet werden.

Sind Intermediäre in Zukunft überflüssig?

Smart Contracts auf Basis der Blockchain-Technologie könnte laut der britischen Fachzeitschrift The Economist, das Next Big Thing in der Digitalen Transformation werden. Intermediäre wie Banken, Rechtsanwälte und weitere Serviceanbieter könnten aus der Wertschöpfungskette gedrängt werden. Das sorgt für günstigere und schnellere Transaktionen. Gerade Auslandsüberweisungen, die normalerweise einige Tage in Anspruch nehmen, könnten mit Blockchain-Technologie in wenigen Minuten durchgeführt werden. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwiefern solche digitalen Lösungen in der Zukunft reguliert werden. Eine Vielzahl an Unternehmen steht bereits in den Startlöchern, um ihre Blockchain-basierten Anwendungen zu implementieren.

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