In einem Design Sprint können neue digitale Produkte und Services innerhalb nur einer Woche konzipiert und getestet werden – eine sehr effektive Methode, um Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und zu verbessern.

MISUMI – ein globaler Hersteller von über 17 Millionen konfigurierbaren Komponenten für den Maschinenbau und Industriebedarf – ist als verlässlicher Partner für den Sondermaschinen-, Stanzwerkzeug- und Spritzgussformenbau bekannt. Das Unternehmen bietet seinen Kunden ein „Alles aus einer Hand“-Konzept und dadurch attraktive Zeit- und Kostenvorteile. Das Problem: Oft stehen die Einzelteile im Vordergrund und MISUMI wird nicht als ganzheitlicher Lösungsanbieter wahrgenommen. Um das zu ändern, sollte in einem ersten Schritt ein neuartiger Online-Zugang für Interessenten aus dem Bereich Automobilbau in Form einer spezifischen Landingpage geschaffen werden. Der Ansatz für diese spezielle Zielgruppe sollte sich zudem auf verschiedene Branchen adaptieren lassen.

Mit vereinten Kräften: der Design Sprint

Gerade wenn die Zeit knapp ist und viel auf dem Spiel steht bewährt sich die von Google Ventures entwickelte Methode Design Sprint: Innerhalb von nur einer Woche lassen sich Probleme analysieren, Ziele und Zielgruppen definieren, Prototypen entwickeln und diese dann anschließend mit echten Kunden erproben.

Ein typischer Design Sprint lässt sich in folgende Phasen aufteilen:

  • Verständnis: zu lösende Probleme klären und priorisieren
  • Empathie: Interviews mit Verantwortlichen und Experten führen
  • Kreativität: Erkenntnisse zusammenfassen und Ideen entwickeln
  • Entscheidung: eine Lösung finden, die umgesetzt werden soll
  • Prototyp: ein erstes testbares Produkt erstellen
  • Validierung: Nutzertests mit echten Kunden durchführen

Bild: Bewertung verschiedener Lösungsansätze


Der Vorteil der Methode liegt vor allem darin, dass interdisziplinäre Teams konzentriert miteinander arbeiten und schnell Lösungen erzeugen. Unser Teil des Teams bestand bei diesem Projekt aus mehreren User Experience-Beratern mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Content-Strategie, Interface-Design und Frontend-Development. Auf der Seite von MISUMI arbeiteten die Fachexperten aus Marketing, Produkt Management und Sales gemeinsam an der Aufgabe. Das Workshop-Format sorgt durch die zeitliche Beschränkung und enge Taktung der Phasen für eine inhaltliche Fokussierung aller Beteiligten und vermeidet Probleme wie lange Abstimmungswege oder Verzögerungen durch das Tagesgeschäft.

Entscheidend ist es jedoch, sich auf folgende Rahmenbedingungen einzulassen:

  • Ein ausgewähltes Team zieht sich eine Woche lang zurück, um ohne Störungen an der Lösung arbeiten zu können.
  • Alle Phasen des Sprints werden zeitlich begrenzt. Das Team muss im Rahmen dieser Vorgaben zu Ergebnissen kommen.
  • Auf Gruppen-Brainstormings wird verzichtet. Es gibt immer Phasen der Stillarbeit, in denen die Mitglieder Ansätze eigenständig weiter ausarbeiten.
  • Ergebnisse werden in der Gruppe diskutiert und eine Entscheidungsgrundlage  vorbereitet.
  • Wichtige Entscheider werden frühzeitig involviert und legen fest, welcher der vorgestellten Lösungsansätze umgesetzt wird.
  • Der Prototyp wird mit echten Kunden getestet, um sicherzustellen, dass der Lösungsansatz auch zu den Kundenbedürfnissen passt.

Infografik: Typische Phasen eines Design Sprints

Komplexität bewältigen

Im Fall MISUMI zeigte sich die Stärke der Methode bereits am ersten Tag: durch Interviews mit internen Personen aus Vertrieb, Support und Management konnte schnell die Kernzielgruppe des digitalen Produkts festlegt werden, in diesem Fall Konstrukteure: MISUMI ist als Lieferant von Teilen für den Maschinenbau zwar meistens mit Einkäufern im Gespräch, die Konstrukteure wählen vorher allerdings die Produkte aus und geben ihren Kollegen entscheidende Anweisungen. Mit einer umfassenden Skizze des Kaufprozesses konnte das Team somit relevante Fragestellungen und Verbesserungspotenziale identifizieren.

Durch die wertvollen Erkenntnisse angetrieben entwickelte das Team schon am zweiten Tag auf die Zielgruppe zugeschnittene Lösungsansätze. Mit Unterstützung des erfahrenen Interface-Designers konnten zahlreiche Skizzen angefertigt werden, die am darauf folgenden Tag besprochen und von den Entscheidern bewertet wurden.

Bild: Schnelles Festhalten von Ideen

User-Testing offenbart Optimierungspotenziale

Für die präferierte Lösung wurde an Tag vier ein Prototyp entwickelt und für das User-Testing am fünften und letzten Tag vorbereitet. Dabei muss der Dummy gerade gut genug ausgearbeitet sein, um dem Benutzer das Gefühl einer echten Anwendung zu vermitteln. Im vorliegenden Fall war das Ergebnis eine klickbare Landingpage mit Anwendungsbeispielen aus dem Automobil-Rohbau in Kombination mit passenden Produkteinstiegen in den MISUMI-Shop.

Im User-Testing per Videokonferenz bewahrheitete sich dann: die Annahmen für den inhaltlichen Aufbau entsprachen nicht immer den Vorstellungen der Zielgruppe. Einige der im Vorfeld als wichtig erachteten Texte wurden völlig ignoriert, wohingegen technische Zeichnungen und Tabellen die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich zogen. Bestimmte Bedürfnisse der Konstrukteure – wie zum Beispiel der direkte Zugriff auf OEM-Freigabelisten – wurden von den internen Mitarbeitern nicht richtig eingeschätzt. Positiv bewertet wurde aber das grundlegende Konzept, Produkte nach Anwendungen zu gliedern und damit Absprungmöglichkeiten zu entsprechenden Produktkategorien im Shop zu schaffen.

Der Sprint war dennoch mehr als erfolgreich. Innerhalb nur einer Woche – und vor allem, bevor mehr Zeit in die technische Umsetzung und die Übertragung auf andere Branchen investiert wurde – konnten entscheidende konzeptionelle Verbesserungen für die folgende Ausarbeitung vorgenommen werden: Produktlisten zu den Anwendungen wurden nun in den Vordergrund gestellt und andere Inhalte wesentlich gestrafft.

Bild: Konsolidierung der Ergebnisse aus dem User-Testing


Als positiver Nebeneffekt entstanden zahlreiche weitere Ideen, die zur späteren Umsetzung in einem Ideenspeicher abgelegt wurden. Nach der sich anschließenden einwöchigen Ausarbeitungsphase konnte die funktionsfähige und getestete Landingpage mit geringem Aufwand in das Content-Management-System von MISUMI integriert werden.

„Der Design Sprint war für uns ein echtes Erlebnis und hat uns sehr geholfen. Diese Art zu arbeiten war auch für uns neu, hat uns aber sicher einige Wochen Zeit gespart. Danke und Kompliment an Ihr Team, das uns super unterstützt und sich sehr schnell in unsere Problemstellung eingearbeitet hat.“ so Benedikt Klebing, Teamleader User Experience, MISUMI Europa

In das Projekt eingebrachte Leistungen:

  • 5-tägiger Design Sprint im Hause des Kunden sowie Vorbereitung und einwöchiger Ausarbeitungsphase
  • Analyse der Zielgruppenbedürfnisse
  • Erstellung einer Skizze für den Kaufprozess (Customer Journey Map)
  • Konzeptentwicklung mit Design-Thinking-Methoden
  • Prototyping einer Landingpage für den Online-Shop
  • Durchführung von User-Tests
  • Umsetzung eines funktionsfähigen Prototypen in HTML5/CSS/JS sowie Implementierungssupport

Bild: Timer, Grundausstattung beim Design Sprint

 

Quelle Titelbild:
Photo by Charlotte Coneybeer on Unsplash

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