Mit der Website meinebankistweg.de teilt die Commerzbank in Videos gerade kräftig gegen ihre Mitbewerber aus und thematisiert dabei die Filialschließungen in der Branche. Dabei sollte sich die deutsche Kreditwirtschaft besser um ganz andere Dinge kümmern, denn das Silicon Valley hat sich zur „Mobilmachung“ gegen die Banken verbündet.

Der „red ocean“ der Finanzbranche färbt sich derzeit immer röter. In diesem höchst umkämpften Markt teilen die Commerzbank, aber auch die Sparkasse kräftig aus und holen sich dabei blutige Nasen. Die Commerzbank positioniert sich in ihren Videos Einfache Rechnung – Schließung einer Filiale und Eingepackt – Schließung einer Filiale als Finanzdienstleister, der auf die Herausforderungen der Branche nicht mit Filialschließungen reagiert, sondern beständig an der Seite des Kunden bleibt. Damit lehnt sich die Commerzbank relativ weit aus dem panzerglasumbauten Kassenschalter - hatte sie doch im Zuge der Übernahme der Dresdner Bank das Filialnetz unlängst umfangreich „optimiert“.

Glaubt man den Aussagen der Hypovereinsbank, dass im Jahr 2015 nur noch 5% der Kundenkontakte in der Filiale stattfinden werden, muss sich die Commerzbank mit diesem filialzentrierten Geschäftsmodell gut überlegen, ob das „An-der-Seite-des- Kunden-stehen“ tatsächlich in einer 1B-Innenstadtlage in der Zeit von 9 bis 16 Uhr funktioniert, oder ob der Kunde die Bank nicht lieber als Transaktionsdienstleister im Internet „besuchen“ möchte.

Und nachdem die Marketingabteilung der Commerzbank offenbar gerade so viel Spaß an dieser Form der Werbung gefunden hat, nimmt man sich auch noch die Kollegen der Targobank und der Deutschen Bank vor. Dabei arbeitet sich der Spot „Die geschminkte Wahrheit“ an dem Thema Bankenwerbung ab.

Nicht ganz so frontal war bislang der Angriff der Sparkassen. Mit den Spots der „08/15“-Bank persiflierten sie alle anderen Banken und stempelten sie als wenig kundenorientiert und ausschließlich gewinnerzielungsbemüht ab. Doch mit dem neuen Video „Lohmann rennt“ zünden die Sparkassen nun die nächste Stufe der direkten Konfrontation mit Mitbewerbern.

Don't worry about the world coming to an end today. It is already tomorrow in Silicon Valley.

Als Kunde mag man einfach nur mit dem Kopf schütteln. Da bemüht sich das deutsche Kreditgewerbe, mit paydirekt den Schulterschluss in Sachen digitaler Zahlungsverkehrskompetenz zu vollziehen und sich gegen die FinTech-Angreifer aus dem Silicon Valley zu positionieren. Was daraus wird, bleibt abzuwarten. Den Start kann man durchaus als misslungen bezeichnen, denn das Interesse auf Händlerseite scheint bis dato auszubleiben.

Es wäre an der Zeit, in einer Sitzung des Gremiums Die Deutsche Kreditwirtschaft (ehemals Zentraler Kreditausschuss) laut auf den Tisch zu hauen und aus Stanley Kubricks „Dr. Strangelove“ zu zitieren: „Gentlemen, you can’t fight in here, this is the War Room.“ Denn dass sich die deutschen Banken in einem Existenzkampf befinden, sollte angesichts der Finanzkrise, der digitalen Transformation, der gesellschaftlichen Akzeptanz von Banken und der Marktsituation nun auch wirklich allen aus der Branche bewusst geworden sein.

Und als wäre das nicht genug, haben sich nun auch die Großen des Internets zusammengeschlossen. Mit Amazon, Apple, Google, Intuit und Paypal hat sich die Technologie-Elite unter dem Namen Financial Innovation Now (FIN) verbündet, um als Interessensvereinigung Innovationen bei Finanzdienstleistungen zu fördern und die Zukunft des Handels neu zu definieren. Das ist – um im martialischen Jargon zu bleiben – nicht weniger als die Mobilmachung zum Angriff auf die Besitzstandswahrer und Veränderungsresistenten in den Bankentürmen.

Dabei darf Mobilmachung durchaus auch im technologischen Sinne verstanden werden. Neben dieser neuen Interessensgemeinschaft zeigen FinTech-Unternehmen heute schon mit unterschiedlichen Lösungen, wie Kunden in einer digital transformierten Welt mit mobilen Endgeräten guten Service geboten bekommen. Denn FinTech-Unternehmen haben verstanden, dass Kundenfokussierung kein Lippenbekenntnis in Videos ist, sondern handwerklich erarbeitet werden muss. Durch die Auseinandersetzung mit den Wünschen und Bedürfnissen von Kunden sowie dem Nutzungskontext kommen solch smarte Ideen heraus wie zum Beispiel TransferWise – zu einem Bruchteil der Gebühren von Banken können Kunden hier online Geld ins Ausland versenden, indem auf einer Plattform untereinander Geld- und Währungstauschpartner vermittelt werden.

Liebe Banken, fangt also bitte an, Euch wirklich mit Euren Kunden auseinanderzusetzen und Eure Energie darauf zu verwenden, Lösungen für Menschen des 21. Jahrhunderts zu schaffen. Der Plan, sich gegenseitig zu bekriegen, bis der Letzte das Licht ausmacht, wird nicht aufgehen. Vorher werden Euch nämlich die Unternehmen aus dem Silicon Valley den Saft abgedreht haben.

Financial Innovation Now: FIN, das Ende, der Abspann fängt an ... ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

 

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